Kinderfüße auf dem Prüfstand – eine Rezension zur Studie der BKK Bayern

Dies ist unsere Antwort auf die Veröffentlichung des Präventionsprojektes „Kinderfüße auf dem Prüfstand“ unter der Schirmherrschaft der Frau Staatsministerin Melanie Huml für Gesundheit und Pflege. Warum mein Beitrag derart lang geworden ist: es ist uns ein besonderes Anliegen Irreführungen der Verbraucher aufzudecken. Auch ich werden eines Tages Kinder haben und möchte für sie nur das Beste. Doch wie erkenne ich Falschaussagen, die die Gesundheit der Kinder gefährden könnten.

Der BKK Landesverband Bayern veröffentlichte am 10. Oktober 2016 den Abschlussbericht einer Studie zum Thema „Kinderfußgesundheit bei Kindern.“ Aufgrund dessen berichtete die Süddeutsche Zeitung hierzu am 11. Oktober 2016.

Drei Monate lang wurden ab April 2016 25 Kindergärten besucht und Füße von insgesamt 2.000 Kindern von Orthopäden vermessen. Das Ergebnis dieser Studie lautet jedes dritte Kind trägt zu kleine Schuhe. Dieser und weitere Gründe, wie mangelnde Bewegung und Übergewicht, sind laut dem Bericht Ursachen für Fußfehlstellungen bei Kindern und Haltungsschäden im erwachsenen Alter.

Dies ist nicht ganz richtig. Seit 2009 existiert eine Studie des Schuhinstituts WMS. In Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam wurden in einen Zeitraum von zwei Jahren über 20.000 Kinderfüße an 60 Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vermessen. Dabei wurde festgestellt, dass die Kinder nicht nur zu kleine, sondern auch zu große Schuhe trugen. 40 Prozent trugen Schuhe, die ein bis drei Nummern größer waren. Indem Eltern zu große Schuhe kaufen versuchen sie eine Schuhgröße einzusparen. Schließlich „wachsen sie noch hinein“. Doch unabhängig ob zu kleine oder zu große Schuhe – beides hat fatale Auswirkungen auf den Fuß. Bei jedem Schritt werden die Zehen geprellt bzw. gestaucht und der weiche Kinderfuß wird verformt. Spätestens als Erwachsener tauchen die Probleme u.a. an der Wirbelsäule auf. Es kann also nur einen Schuh geben – den Passenden!

Des Weiteren besteht kein Zusammenhang zwischen Übergewicht und Schädigungen des Bewegungsapparates. Es ist lediglich festzustellen, dass übergewichtige Kinder im Vorschulalter breitere Füße haben. Aber auch für diese Kinder gibt es den passenden Schuh. WMS-geprüfte Schuhe bieten durch ihr Weitensystem Schuhe sowohl im schmalen und mittleren als auch im weiten Bereich. Das WMS-System trägt somit auch zur Prävention von Fußschäden bei, denn für jedes Kind gibt es den passenden Schuh.

Unter der Schirmherrschaft von Frau Staatsministerin Melanie Huml wurde außerdem ein Flyer herausgebracht, welcher Tipps für den richtigen Schuhkauf gibt.  Hier heißt es, das Kind „barfuß auf ein Stück Karton stellen (…). Umriss beider Füße mit dem Stift nachzeichnen (… und) 12-15mm hinzu(fügen). Passen die Schablonen leicht in die Schuhe, passen auch die Schuhe.“

Die Schablone als Messinstrument. Nein! Wie kann man als Elternteil sehen, ob die Schablone richtig im Schuh liegt? Ist noch Platz bis zur Schuhspitze? Oder habe ich die Pappe bereits vorne zusammengeschoben? Wurden während der Studie ebenso Schablonen für alle 2.000 Kinder angefertigt? Das glaube ich kaum. Diese Methode ist alles außer hilfreich. Sie wirft mehr Fragen als Antworten auf. Dies ist einer der Gründe warum wir Kinderschuhcheck gegründet haben, denn wir sehen uns in der Pflicht euch darauf aufmerksam zu machen. Dabei arbeiten wir eng mit erfahrenen Orthopäden und Physiotherapeuten zusammen.

Es gibt mittlerweile unzählige Studien zu diesem Thema und immer wieder wird festgestellt, dass Kinder zu große oder zu kleine Schuhe tragen. Hätten sich die angewandten Messmethoden bewährt, sollte sich doch bereits seit Jahren eine Verbesserung eingestellt haben. Dies ist nicht der Fall.

Weitere fundierte Informationen und Tipps rund um das Thema „Kinderfuß“ und „Kinderschuh“ findet ihr hier im Blog.

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